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     Ceville

   
verfasst am:    16. Februar 2009
verfasst von:    avsn-Nikki

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Gesamtwertung
100%
 


Ceville, seines Zeichens König und Tyrann von Faeryanis, ist ein kleiner untersetzter Mann. Seine mangelnde KörpergrĂ¶ĂŸe gleich er nicht nur durch einen ĂŒberdimensional erhöhten Thron aus, sondern auch durch ein ĂŒberaus großes Maß an Bösartigkeit. Er nutzt jede Gelegenheit, um seine Untertanen zu unterdrĂŒcken, miese Streiche zu spielen und alles, was anderen lieb und teuer ist, schlecht zu machen. So ist es kein Wunder, dass er bei einem Rechtsstreit gleich alle Beteiligten bestraft, ohne ĂŒberhaupt darĂŒber nachzudenken, wer schuldig ist. All dies geschieht nur aus einem Zweck: Ceville will nicht nur die Staatskassen fĂŒllen, sondern auch sein privates Vermögen vergrĂ¶ĂŸern. Auch an diesem Morgen weicht Ceville nicht von seinen Prinzipien ab. Doch an diesem Tag kommt es anders, denn die BĂŒrger von Faeryanis lehnen sich gegen diese Tyrannei auf und sperren ihren verhassten König im Thronsaal ein. Ceville muss fliehen und in den Keller zu seinem treuen Diener Basilius, einem bösartigen Hexenmeister, zu gelangen, der sich in einem geheimen Raum versteckt hĂ€lt. Nachdem Ceville einige HĂŒrden ĂŒberwunden hat, steht er Basilius endlich gegenĂŒber. Doch statt der erhofften Hilfe, hat Basilius nur ein höhnisches Lachen fĂŒr seinen König ĂŒbrig, denn er war es, der die BĂŒrger zu diesem Aufstand angestiftet hat. Basilius will selber die Macht ĂŒbernehmen. Dazu bedient er sich der ahnungslosen, hoffnungslos naiven Gwendolyn und besticht gekonnt die Mitglieder des Rates. Es wird also fĂŒr Ceville nicht leicht werden, sich an Basilius zu rĂ€chen. Doch auch der Ex-König ist nicht allein. Das kleine MĂ€dchen Lilly hilft dem Tyrannen, wenn auch nicht klar ist warum. Doch Lilly scheint immer an das gute zu glauben. Dabei ĂŒbersieht sie keineswegs die schlechten Eigenschaften ihres WeggefĂ€hrten. Im Gegenteil: Lilly ist sozusagen das gute Gewissen von Ceville. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, um Basilius zu stellen: Ceville aus Rache, Lilly, um dem Volk von Faeryanis zu helfen.

"Ceville" besticht durch seinen Witz. Schon alleine die Charaktere sorgen mit ihrer Gestalt fĂŒr GelĂ€chter. Da wĂ€re der kleinwĂŒchsige Tyrann Ceville, der eher wie ein Gnom wirkt, aber gemein wie der grĂ¶ĂŸte Kerl ist. Ambrosius, ein Paladin, sieht aus wie ein gestandener Ritter, doch verbirgt sich hinter dem muskulösen Körper ein Waschlappen, der sich mehr um seine Haare und sein Aussehen sorgt, Angst vor Spinnen hat und noch nie einen wirklichen Kampf bestreiten musste. Die Palastwachen zĂ€hlen ebenfalls zu den Witzfiguren. Der eine, dick und groß, hat viel zu kleine Kleider an. Nicht nur sein dicker Bauch liegt vollkommen frei. Was er an KörperfĂŒlle zu viel hat, fehlt ihm in seinem vermutlich winzigen Gehirn, denn der Kopf passt absolut nicht zu dem massigen Körper. Die zweite Wache ist zwar wesentlich kleiner und dĂŒnner und scheint auch intelligenter zu sein, doch lĂ€sst sie sich genauso leicht ĂŒberrumpeln. Die kleine Lilly sticht durch ihre "NormalitĂ€t" aus diesem Haufen Witzfiguren deutlich heraus. Abwechselnd muss man sowohl Ceville, als auch Lilly und Ambrosius steuern, um das Volk von Faeryanis zu retten. Im Laufe des Spiels begegnet der Spieler weiteren Charakteren, wie den eigensinnigen, raffgierigen Zwergen, einer Ökoelfe, einem Schweizer Druiden, einer guten Fee, die es Faust dich hinter den Ohren hat, dem lispelnden HĂ€ndler El Chollo, einigen Schurken und vielen merkwĂŒrdigen Gestalten mehr. Es wird nie langweilig, denn die Realmforge Studios haben bereits bei der Auswahl der Charaktere ihren Einfallsreichtum bewiesen.

Dabei bleibt bei den Witzen selber, niemand verschont. Von Romanfiguren, bis hin zu realen bekannten Persönlichkeiten und Stars, wird jeder aufs Korn genommen. Nicht nur andere Genres, wie Rollenspiele und Shooter bekommen ihr Fett weg, sondern selbst aus dem Adventurebereich bekannte Charaktere wie Edna fließen in die Witze mit ein. Ja, die Realmforge Studios schrecken noch nicht einmal davor zurĂŒck, sich selber hoch zu nehmen. Das beginnt bereits wĂ€hrend der langen Ladezeiten zwischen den Kapiteln und beim Laden eines bereits gespeicherten Spielstandes. Um fĂŒr Ablenkung zu sorgen, werden wĂ€hrend des Ladevorgangs immer wieder neue Tipps zum Spiel eingeblendet. Einer dieser Tipps weist sogar daraufhin, dass sie ĂŒber die Ladezeiten hinwegtĂ€uschen sollen. Auf dem Friedhof erfĂ€hrt man sogar, was die Charaktere des Spiels von den Realmforge Studios halten und wie sie von den Entwicklern behandelt wurden. Die miesen SprĂŒche von Ceville sind also nicht einseitig, sondern allumfassend.

Dem Entwicklerteam ist es gelungen, alle Charaktere mit passenden Stimmen zu versehen. Ob bösartig, naiv, dumm, prahlerisch, alle Eigenschaften der unterschiedlichen Figuren wurden durch Bild und Ton deutlich hervorgehoben. Hinzu kommt die wechselnde Hintergrundmusik, die ebenfalls recht gut gelungen ist. Wenn man sich ĂŒbermĂ€ĂŸig lange an einem Schauplatz aufhĂ€lt, kann das ein oder andere StĂŒck etwas langweilig werden. Im großen und ganzen jedoch, unterstĂŒtzt die Hintergrundmusik die AtmosphĂ€re perfekt. Nicht nur die Charaktere wurden mit grĂ¶ĂŸter Sorgfalt auf den Bildschirm gebannt, auch die unterschiedlichen SchauplĂ€tze sind in der tollen Comicgrafik mit zahlreichen Details ausgestattet und wunderschön gezeichnet worden. Ob man den Wald der Ökoelfe besucht oder einen dĂŒsteren feuchten Brunnenschacht, von schaurig, bis friedlich, von armselig, bis prunkvoll ist alles dabei.

Es gibt nur sehr wenige wirklichen RĂ€tsel im Spiel. Der Spieler muss in der Lage sein, die Situationen mit den GegenstĂ€nden zu meistern, die er gesammelt hat, bzw. noch sammeln muss. Zu Beginn scheint dies alles ziemlich einfach zu sein, doch mit zunehmendem Spielverlauf, werden die Kombinationen der InventargegenstĂ€nde und ihre Anwendung zunehmen kurioser. Dies bedeutet nicht, dass die Lösung eines Problems schwer ist, es fĂ€llt nur schwerer die abwegigen Gedanken nach zu vollziehen. Die Kombination ist dabei immer logisch, was man spĂ€testens dann feststellt, wenn man das Problem gelöst hat. NatĂŒrlich gibt es sogenannte Hotspots. Dabei werden alle GegenstĂ€nde markiert, die betrachtet werden können. GesprĂ€chspartner und Dinge, die man direkt an sich nehmen kann oder GegenstĂ€nde, die man mit etwas kombinieren kann, werden mit rotem Text versehen. WĂ€hlt man einen Inventargegenstand aus, wird die Schrift des Hotspot-Textes orangefarben, sobald man den gewĂ€hlten Gegenstand auf das entsprechende Objekt anwenden kann. Ein kleines Abenteuer fĂŒr sich ist es allerdings die Hotspots mit den richtigen GegenstĂ€nden im Raum zu verbinden, denn die Hotspots hĂŒpfen gerne mal hin und her. Dies bedeutet nicht, dass man sie nicht verwenden kann, sie liegen nur nicht immer genau ĂŒber dem Gegenstand, den sie bezeichnen.

Die Steuerung an sich ist einfach gehalten. Per Point-and-Click kann man sich durch die reichlich gefĂŒllten Landschaften bewegen, GegenstĂ€nde aufnehmen und anwenden. Unsere Helden laufen per Doppelklick schnell von einem Ort zum anderen. Klickt man wĂ€hrend eines GesprĂ€chs oder einer Sequenz, wird der Satz, bzw. die Sequenz weitergeschaltet. Das SpielmenĂŒ bietet unendliche Features. Neben den Einstellungen fĂŒr Ton und Grafik, kann man auch den Untertitel wahlweise ein- oder ausschalten. Doch wenn man sich zu Beginn des Spiels auf die Sprachausgabe per Text festgelegt hat, muss man mit dieser Entscheidung nicht das gesamte Spiel leben. Mit der Taste S kann man im Laufe des Spiels die Sprachausgabe schnell und bequem immer wieder nach Belieben ein- und ausschalten, ohne das SpielmenĂŒ aufrufen zu mĂŒssen. In der unteren linken Ecke des Bildschirms werden die möglichen spielbaren Charaktere angezeigt. Per Klick auf das entsprechende Bild kann man zwischen ihnen wechseln. Die Taste TAB ist jedoch mit der gleichen Funktion belegt. Spieler sollten die Texte wĂ€hrend der Ladezeiten aufmerksam lesen, denn sie enthalten viele solcher wertvollen Tipps. Ein paar kleine technische Fehler haben sich in die Steuerung eingeschlichen. FĂŒhrt man Aktionen durch, die vom Spielverlauf her nicht geplant sind, kann es schon einmal zu kuriosen Szenen kommen. Diese sind nicht weiter tragisch, da sie zu keiner Zeit zu einem wirklichen Spielstillstand fĂŒhren. Wer um diese Fehler weiß, kann sie sogar zu seinem Vorteil nutzen, denn sobald etwas kurioses geschieht, wie z.b. Sprachausgabe einer Person, die gar nicht im Bild zu sehen ist, weiß der Spieler genau, dass diese Handlung ihn im Spielfortschritt nicht weiterbringt.

Fazit: "Ceville" besticht durch seinen schrĂ€gen Humor und Sarkasmus. Nichts und niemand bleibt verschont. Die Realmforge Studios gehen sogar so weit, sich selber aufs Korn zu nehmen. Der Witz erstreckt sich nicht nur auf die Sprachausgabe, sondern steckt in jedem Detail, seien es die Spielfiguren selber oder auch die Darstellung der SchauplĂ€tze. Die Story ist spannend und lustig zugleich. Es muss schon kurios zugehen, wenn es jemanden gibt, der bei diesem Spiel nicht lachen kann. Nicht nur die einfache Point-and-Click Steuerung sorgt dafĂŒr, dass sich dieses Abenteuer sowohl fĂŒr AnfĂ€nger des Genres, als auch fĂŒr Profis eignet. Die Kombinationen der GegenstĂ€nde sind immer logisch, auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer so einfach zu sein scheint.

  
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