Culpa Innata 1 Review

Wir schreiben das Jahr 2047. Eine neue Gesellschaftsform hat sich gebildet: die Weltunion. In dieser Gesellschaft kann nur überleben, wer egoistisch, gierig und skrupellos ist. Teamfähigkeit steht nur am Rande zur Debatte. Diese Charakterschwächen werden in der Weltunion als Tugenden bezeichnet und als starke Gene. Es zählt nicht mehr wer Vater und Mutter sind. Kinder wachsen in einem Zentrum für Kindeserziehung auf, fern ab von der Liebe und Fürsorge ihrer Eltern. Familiäre Bande kennt man nicht mehr. Alle anderen Charaktereigenschaften, die dieser Weltordnung zuwider laufen, bezeichnet man als genetischen Defekt. Wer solche Defekte hat, muss behandelt werden, bzw. wird gar nicht erst in die Weltunion aufgenommen. So kommt es, dass auch noch andere Gesellschaftsformen existieren, die in der Weltunion als Schurkenstaaten bezeichnet werden. Wer darin lebt und der Weltunion beitreten will, muss eine Akademie besuchen, seinen Abschluss daran machen und eine Sicherheitsbefragung durchlaufen. Erst wenn alle Prüfungen bestanden sind, wird man als Bürger der Weltunion akzeptiert. Phoenix Wallis lebt in der Weltunion. Sie wurde sogar dorthinein geboren und arbeitet als Sicherheitsbeauftragte der Regierung. Ein Bürger der Weltunion ist in einem der Schurkenstaaten, genauer gesagt in Russland, erschossen worden. Phoenix bekommt den Auftrag herauszufinden, wer der Mörder ist. Sie verlässt dabei die Stadt Adrianopolis allerdings nicht und muss ihre Ermittlungen von hier aus führen. Hinzu kommt der mysteriöse Tod eines Professors der historischen Universität und der Flugzeugabsturz eines militärischen Offiziers. Alle drei Tode scheinen im Zusammenhang zu stehen. Phoenix muss diesen Zusammenhang herstellen und Beweise finden, die sie schließlich zum Mörder führen.
Die Rätsel im Spiel sind gut gemacht, teilweise jedoch ziemlich einfach zu lösen. Nur wenige Rätsel fordern den Spieler heraus. Die Rätsel sind abwechslungsreich. Hauptaufgabe des Spielers ist es allerdings Befragungen durchzuführen. Man muss die richtigen Fragen und die richtige Art zu fragen auswählen, damit man seinem Gegenüber die Informationen entlockt, die man benötigt. Für ein Gespräch bleibt einem nur eine gewisse Zeit. Ist diese abgelaufen oder geht der Gesprächsverlauf in eine Richtung, die Phoenix nicht gefällt, bricht sie das Gespräch wie ein schmollendes Kind ab. Man muss dann bis zum nächsten Tag warten, um die Person noch einmal befragen zu können. Die Richtlinien der Weltunion besagen nämlich, dass eine Person nicht zweimal am gleichen Tag befragt werden kann. Oft ist man bei einer Befragung auf der richtigen Spur, wird aber durch einen Anruf oder eine dringende Mitteilung unterbrochen. Auch dann muss man bis zum nächsten Tag warten, um die Befragung wieder aufnehmen zu können.
Das Spiel hat ganz nette Schauplätze. Die Akademie, zu Beginn des Spiels, ist sehr schön und imposant gestaltet. Es ist deutlich zu sehen, dass man sich hier sehr viel Mühe mit der Grafik gemacht hat. Die Wohnungen außerhalb der Akademie sind allerdings alle ziemlich karg und sparsam eingerichtet. In einem Geschäft werden sämtliche Verkaufsgegenstände sogar als "Ding" bezeichnet. Es handelt sich hierbei um dekorative Gegenstände, die noch nicht einmal einen Namen haben. In den Wohnungen gibt es zum Teil Panoramafenster, die eher aussehen wie ein großes Bild, als wie ein Fenster mit einer schönen Aussicht. In Phoenix Wohnung z.B. ist der Badbereich abgetrennt. Ob durch Glas oder einen Vorhang kann nicht genau gesagt werden, da die Grafik viel zu sehr flimmert und viel zu pixelig ist. Auch die Außenbereiche sind zwar von der Aufteilung her schön gestaltet, jedoch viel zu verschwommen. Sie flimmern noch stärker. Eine Steinfassade sieht manchmal aus, als hätte man Wasserfarben verwendet und diese im nassen Zustand verwischt. Die Spielfiguren sind wieder lebensecht dargestellt. In den Nahaufnahmen kann man dies wunderschön erkennen. Allerdings zittern auch sie in der Nahansicht besonders um den Mund herum während sie sprechen. Auffallend ist auch, dass alle Spielfiguren kurze oder hochgesteckte Haare haben. Kein Härchen flattert im Wind. Die Frisuren sehen aus, als wären sie mit Gel an den Kopf geklebt.
Die Hintergrundmusik passt gut zum Spiel. Es ist angenehm sie leise mitlaufen zu lassen. Die Spielfiguren klingen allerdings oft sehr emotionslos. Nur wenigen Charakteren ist anzuhören, dass sie ein Gespräch miteinander führen. Oft hört es sich an, als wenn die Texte unabhängig voneinander einfach nur heruntergesprochen werden. Es fehlt an Betonungen und Ausdrucksstärke. Phoenix mag ja noch jung sein, doch ihre stark übertriebene Begriffsstutzigkeit ist absolut unrealistisch. Die Witze, falls es welche sein sollten, sind zu schwach als dass man darüber lachen könnte. Vielleicht liegt dies auch an der langwierigen Gesprächsführung, die schnell langweilig werden kann.
Die einfache Maussteuerung ist gut zu handhaben. Der Cursor verändert sich je nach Aktion. In den Außenbereichen sind die Fragenzeichen, mit denen Objekte versehen werden, oft jedoch zu dünn, sodass Gegenstände leicht übersehen werden können. Hinzu kommen hin und wieder zu kleine Klickbereiche. Im Menü gibt es die Möglichkeit die grafischen Einstellungen auf das System des Spielers anzupassen. Die Lautstärke der Stimmen, Soundeffekte und Hintergrundmusik kann separat voneinander eingestellt werden.
Fazit: "Culpa Innata" besitzt eine interessante Story. Der vielversprechende hohe Standard zu Beginn des Spiels hält leider nicht lange an. Zum Ende bleiben noch zu viele Fragen offen. Phoenix findet zwar heraus, wer der Mörder ist, doch ist er immer noch auf freiem Fuß und was ist mit den Erneuerern und den zahlreichen Rätseln, die man gelöst hat, um diese Menschen zu treffen? Wie sieht die Suche aus, die Phoenix vor sich hat? Dies alles bleibt offen, bzw. kommt nur ansatzweise zur Sprache. Die Art der Befragung und ihre Langatmigkeit wirkt wie eine künstliche Spielverlängerung. Auch die Grafik hätte durchaus noch verbessert werden können. Ein bisschen mehr Entwicklungszeit hätte dem Spiel sicherlich gut getan, denn die Rätsel sind gut gelungen und auch die Story hat einiges für sich. Man sollte außerdem bedenken, dass nicht immer die Länge der Spielzeit ein Adventure zu einem guten Spiel macht, heißt es doch so schön: In der Kürze liegt die Würze.
Hinzugefügt: Freitag, 07. Dezember 2007
von: Nikki
Wertungen: 


weitere Infos zum Spiel siehe: Adventureliste
Hits: 737
Sprache: deu